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FRAMOS Marktstudie 2014: Die Ergebnisse

FRAMOS

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11. November 2014

FRAMOS Marktstudie 2014: Die Ergebnisse

Industriekameras, ihr Markt und ihre technischen Merkmale

Wie ist der Status Quo des Bildverarbeitungsmarktes, und wie wird er sich in Zukunft entwickeln? Bereits zum 7. Mal in Folge hat der internationale Bildverarbeitungsspezialist FRAMOS in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „Inspect“ eine Umfrage unter Herstellern und Anwendern von Industriekameras durchgeführt. Diese Studie gibt aufschlussreiche Einblicke in die zukünftige technische Entwicklung und die Marktanforderungen aus Sicht der Hersteller und Anwender.

Die Studie basiert auf den Antworten von 54 Befragten aus 13 Ländern, 10 Herstellern und 44 Anwendern, wobei der Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Ländern und Europa liegt. Die Befragten wurden nach ihrer Relevanz eingestuft, basierend auf den Produktions- oder Kaufvolumina, zu denen sie befragt wurden. 40% der Hersteller produzieren bis zu 500 Kameras pro Jahr, 20% über 10.000 Kameras. Die Hauptabsatzgebiete sind Nordamerika und Asien. 80% der Anwender kaufen weniger als 100 Kameras pro Jahr, nur 5% benötigen mehr als 1000 Kameras. Das Hauptanwendungsgebiet ist Europa mit 75%, was auf den Schwerpunkt dieser Umfrage zurückzuführen ist. Die Absatzmärkte der Hersteller sind Produktionsautomatisierung, Medizintechnik und Messtechnik mit jeweils knapp 20% sowie Logistik, Qualitätssicherung und Verkehrsüberwachung mit jeweils ca. 20%. 12%. Von den Anwendern, die an der Umfrage teilgenommen haben, nennen 30% die Qualitätssicherung als wichtigste Anwendung, gefolgt von der Produktionsautomatisierung und der Messtechnik mit jeweils 26%. Die Medizintechnik spielte dagegen mit 5% eine weniger bedeutende Rolle.

Bekanntheitsgrad und Häufigkeit der Nutzung der größten Kameramarken
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Die Bereitschaft zu investieren ist ein wichtiger Indikator für das Marktwachstum. In dieser Hinsicht sind Hersteller und Anwender einer Meinung und sehen einen deutlichen Schub für die Bildverarbeitung: 57% werden in naher Zukunft neue Bildverarbeitungssysteme einsetzen, und 43% sind der Meinung, dass alte Systeme ersetzt werden sollten. Nicht ein einziger Teilnehmer wählte die Option „Nichts weiter erforderlich“. Neben dieser offensichtlichen Investitionsbereitschaft ist die Preisentwicklung ein weiterer wichtiger Faktor. Hier setzen die Hersteller in erster Linie auf niedrigpreisige Kameras und möchten, dass 60 % ihres Produktionsportfolios preislich zwischen 150 und 350 Euro liegen. Kategorien bis 650 Euro, 1000 Euro und 3000 Euro sollten jeweils 10% des Portfolios ausmachen. Kameras für weniger als 150 Euro und über 3000 Euro werden aus Sicht der Hersteller nicht als relevant angesehen. Die Nutzer haben die gleiche Meinung, was die billigsten Kameras angeht. Sie sind eher bereit, mehr Geld für qualitativ hochwertige Kameras auszugeben, und die bevorzugte Preisspanne liegt für 38% der Befragten zwischen 350 und 650 Euro. Es folgen Kameras bis 350 Euro, 650-1000 Euro und bis 3000 Euro mit 19%, 18% bzw. 16%. Allerdings sind 6% der Nutzer auch bereit, mehr als 3000 Euro in eine Kamera zu investieren. Im Einklang mit diesen Antworten antworteten nur 8% der Nutzer auf die Frage „Was muss geschehen, damit die Bildverarbeitung Ihrem Unternehmen zu Wachstum verhilft?“ mit „Billigere Kameras“. Wir sehen also ein deutliches Umdenken in Bezug auf funktionale Leistungsmerkmale und im Vergleich zur Studie von 2013, in der noch doppelt so viele Nutzer günstigere Preise bevorzugten. In diesem Jahr sind den Nutzern Benutzerfreundlichkeit und unkomplizierte Integration viel wichtiger. Dies spiegelt sich auch in der Einschätzung des Marktes für Smart-Kameras wider, für die Hersteller und Nutzer übereinstimmend einen gestiegenen Anteil am Imaging-Markt von 35% schätzen.

In Bezug auf die Sensormarken und ihre künftige Verwendung in bildgebenden Systemen sind sich Kamerahersteller und -nutzer über deren Rückgang oder Anstieg einig. Sensoren von Sony werden zwar prozentual weniger verwendet, sind aber mit einem prognostizierten Marktanteil von 35 % im Jahr 2016 weiterhin die vertrauenswürdigste Marke. Insbesondere für die Marken Aptina und Truesense Imaging (beide jetzt unter einem Dach, zu OnSemi gehörend) wird ein erhebliches Wachstum auf einen Marktanteil von 13% bzw. 19% erwartet.

Häufigkeit der Nutzung der größten Sensormarken – heute und in 2 Jahren

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Benutzer Hersteller

Bei den CCD- und CMOS-Sensortechnologien erwarten Hersteller und Anwender aufgrund der technischen Entwicklung in den nächsten 2 Jahren eine völlige Umkehrung der Verhältnisse. CCD ist mit ca. 80% heute noch vorherrschend, wird aber auf ca. 20% fallen, während CMOS im umgekehrten Verhältnis zulegen wird. Dieser Trend wurde bereits vor einigen Jahren in Studien vorhergesagt, aber es bleibt abzuwarten, ob die CMOS-Sensoren diese Vorhersage in Bezug auf Qualität und Anzahl der Varianten einhalten können.

Verwendung von CCD- und CMOS-Sensoren – heute und in 2 Jahren

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Benutzer Hersteller

Der Aufschwung der Global Shutter-Technologie für Bildsensoren ist ebenfalls äußerst wichtig – logisch, wenn man bedenkt, dass sich die meisten analysierten Objekte in der industriellen Bildverarbeitung bewegen. 93% der Hersteller und 75% der Anwender halten diese für unverzichtbar. Die Farbfotografie durch Sensoren ist dagegen weniger wichtig. Hier gehen die Befragten davon aus, dass 70 % der Hersteller und 75 % der Anwender weiterhin mit monochromen Sensoren arbeiten werden. Die Sensorauflösung zwischen 1 und 5 Megapixeln ist für Hersteller und Nutzer mit 70% bzw. 57% am wichtigsten. Der größte Anstieg innerhalb der nächsten 2 Jahre ist für Auflösungen über 5 Megapixel zu erwarten, deren Anteil von heute 5% auf 10% bei den Herstellern und 13% bei den Nutzern steigen soll. Was die Bildwiederholraten angeht, sind die Kamerahersteller äußerst optimistisch: Der Anteil der Sensoren mit über 100 Bildern pro Sekunde soll 2016 50% erreichen. Die Nutzer hingegen erwarten ein großes Wachstum bei Bildraten zwischen 60 und 100fps und sind ansonsten unentschlossen. Nach Meinung aller Befragten wird der Marktanteil von Sensoren mit weniger als 25 Bildern pro Sekunde deutlich sinken, und zwar nach Ansicht der Hersteller auf 10 % und nach Ansicht der Nutzer auf 20 %. Mit dieser Zunahme der beliebten Auflösungen und Bildraten wird auch die Nachfrage nach leistungsstarken Schnittstellen immer relevanter. Im Gegensatz zu den Prognosen von 2013 bleibt GigE mit 30 % und 56 % der meistgenutzte Schnittstellenstandard unter den Befragten. Während die Hersteller immer noch zu einem relativ großen Teil auf CameraLink (28%) und Ethernet (20%) setzen – wenn auch mit sinkenden Zahlen – sind für die Nutzer heute nur noch IEEEE1394a mit 11% und CameraLink mit 20% erwähnenswert. Für 2016 erwarten beide Gruppen von Akteuren auf dem Imaging-Markt ein deutliches Wachstum, vor allem für USB 3.0, mit einem Anstieg auf 10 % nach Angaben der Hersteller und 15 % nach Angaben der Nutzer. GigE wird auch 2016 stark bleiben. Die Hersteller gehen von einem Anteil von 35% aus – mehr als heute -, während das Interesse der Nutzer an dem etablierten GigE-Standard mit einer Prognose von 53% weiterhin hoch ist. Für Datenvolumen von mehr als 8Gbit/s nennen 100% der Hersteller und 83% der Nutzer die 10GigE-Schnittstelle, die bei modernen IT-Anwendungen bereits sehr beliebt ist.

Nutzung verschiedener Arten von Schnittstellen – heute und in 2 Jahren

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Benutzer Hersteller

Eine der interessantesten und aufschlussreichsten Fragen ist jedes Jahr die, wie sich die Bildverarbeitung weiterentwickeln muss, um Herstellern und Anwendern ein signifikantes Geschäftswachstum zu ermöglichen. In den letzten Jahren war meist der Ruf nach niedrigeren Preisen zu hören. Im Jahr 2014 hat sich dies geändert. Zwar wünschen sich immer noch 10% aller Befragten sinkende Preise für Sensoren und Kameras, aber die Mehrheit der Hersteller und Anwender wünscht sich vor allem eine einfache Nutzung von Hard- und Software und bessere Funktionen für eine unkomplizierte Integration. Darüber hinaus wünschen sich alle Akteure technische Verbesserungen, wie die weitere Verfeinerung der Sensor-, CMOS- und Verschlusstechnologie, sowie Fortschritte bei den Schnittstellen in Bezug auf Geschwindigkeit und Standardisierung. Das Fazit der Marktstudie 2014 lässt sich am besten mit dem Satz „Bildverarbeitung für alle“ zusammenfassen. Sowohl Hersteller als auch Anwender wünschen sich preiswerte, einfach zu bedienende Systeme, die sich auf dem heutigen hohen technischen Niveau in bestehende Anwendungen und neue Geschäftsfelder integrieren lassen. Die Rufe nach „höher, schneller, billiger“ (Auflösung, Bildraten und Schnittstellen, Preise) sind leiser geworden. Die Industrie möchte den Nutzen der Bildverarbeitung so weit wie möglich steigern und sie in neuen und bestehenden Bereichen gewinnbringend einsetzen.